Hanau nach 20 Jahren mit der Zusatzbezeichnung Brüder Grimm Stadt: Eine Stadt formt sich am Erbe ihrer Söhne

Hanau nach 20 Jahren mit der Zusatzbezeichnung Brüder Grimm Stadt: Eine Stadt formt sich am Erbe ihrer Söhne
Hanau nach 20 Jahren mit der Zusatzbezeichnung Brüder Grimm Stadt: Eine Stadt formt sich am Erbe ihrer Söhne | Bild: © Stadt Hanau / Moritz Göbel

Vor zwanzig Jahren verlieh das Land Hessen der Stadt Hanau die Zusatzbezeichnung „Brüder Grimm Stadt“. Die Entscheidung hat das Selbstbild und das öffentliche Auftreten der Stadt verändert, sagt Oberbürgermeister Claus Kaminsky. Er beschreibt die Auszeichnung als mehr als ein symbolischen Akt und spricht von einer Leitplanke, die Identität stifte und Werte wie Fantasie, Bildung, Weltoffenheit und Demokratie sichtbar mache.

Geburtsstadt und globales Erbe

Jacob und Wilhelm Grimm wurden 1785 und 1786 in Hanau geboren. Als Herausgeber der Kinder und Hausmärchen und als Verfasser des Deutschen Wörterbuchs trugen sie wesentlich zur Entwicklung der Germanistik bei. Ihre Märchensammlung gehört zu den meistübersetzten Werken weltweit, und Texte wie das Engagement der Brüder in politischen Konstellationen ihrer Zeit sind Teil einer breiteren kulturellen und historischen Bedeutung. Jacob Grimm war zudem Abgeordneter in der Nationalversammlung von 1848 und beide gehörten zu den Göttinger Sieben, einem frühen Protest gegen Einschränkungen der akademischen Freiheit.

Der Weg zur Zusatzbezeichnung

Der offizielle Prozess bis zur Verleihung der Bezeichnung im Jahr 2006 verlief nicht ohne Kontroversen. Im Zentrum der Diskussion stand die Frage, ob die kurze Zeit der Kindheit und Jugend der Brüder in Hanau ausreiche, um der Stadt diesen Beinamen dauerhaft zuzuerkennen. Formal gab es Bedenken im Innenministerium, auf politischer Ebene setzte sich der damalige Landtagsabgeordnete Aloys Lenz für den Antrag ein und intervenierte bei dem verantwortlichen Minister. Letztlich stimmte das Land zu. Seitdem erscheint die Zusatzbezeichnung auf Ortsschildern, offiziellen Schriftstücken, Siegeln und einer Reihe touristischer Produkte.

Kulturelle Projekte, Veranstaltungen und städtische Marke

Das Grimm Erbe ist über Jahrzehnte in Hanau gepflegt worden und hat eine Reihe von Einrichtungen und Initiativen hervorgebracht. Bereits 1896 wurde ein Brüder Grimm Denkmal auf dem Neustädter Marktplatz errichtet. Seit 1975 beginnt in Hanau die Deutsche Märchenstraße, die bis nach Bremen führt. Die Stadt vergibt seit 1983 den Brüder Grimm Preis für Literatur an Autorinnen und Autoren wie Christoph Ransmayr, Felicitas Hoppe und Monika Maron. Die seit 1985 veranstalteten Festspiele, heute Brüder Grimm Festspiele Hanau, haben nach Angaben der Veranstalter mehr als eine Million Besucher angezogen und gelten als eines der etablierten Freilichttheater Deutschlands.

Weitere Angebote sind der Hanauer Märchenpfad mit Bronze und Steinfiguren, das interaktive GrimmsMärchenReich im Museum Schloss Philippsruhe sowie Auszeichnungen wie der Ludwig Emil Grimm Preis für Karikatur, der seit 2012 alle drei Jahre vergeben wird. Wissenschaftliche und bildungspolitische Kooperationen mündeten 2016 in die Grimm Bürgerdozentur, getragen von der Stadt Hanau, dem Institut für Jugendbuchforschung der Goethe Universität Frankfurt und der Deutschen Akademie für Kinder und Jugendliteratur. Auch wirtschaftliche und alltägliche Bezüge gibt es: Namensträger finden sich vom städtischen Einkaufsgutschein Grimm Scheck bis zur staatlich anerkannten Brüder Grimm Berufsakademie BGBA, und lokale Betriebe wie das Café Schien erinnern kulinarisch an das Erbe mit der sogenannten Brüder Grimm Torte.

Vor zwanzig Jahren erhielt Hanau außerdem ein markantes Stadtlogo auf Basis eines Doppelporträts der Brüder, gezeichnet von Ludwig Emil Grimm. Dieses Logo ist inzwischen markenrechtlich geschützt und prägt das städtische Erscheinungsbild in Kommunikation und Tourismus.

Weitergabe und Sichtbarkeit des Erbes

Oberbürgermeister Kaminsky betont, das Werk und die Werte der Brüder Grimm seien in Hanau sichtbar und erfahrbar geblieben. Zahlreiche Veranstaltungen, Führungen und kulturelle Angebote sorgten dafür, dass auch jüngere Generationen mit den Märchen und Ideen der Brüder Grimm vertraut würden. Die Entscheidung vor zwei Jahrzehnten habe dazu beigetragen, dem kulturellen Erbe eine klare Rolle im Selbstverständnis der Stadt zu geben.

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