Hanau erklärt Grab des Malers Richard Estler zum Ehrengrab

Hanau erklärt Grab des Malers Richard Estler zum Ehrengrab
Hanau erklärt Grab des Malers Richard Estler zum Ehrengrab | Bild: © Stadt Hanau / Moritz Göbel

Die Stadt Hanau hat die Grabstätte des Malers und Lehrers Richard Estler auf dem Friedhof Kesselstadt als Ehrengrab anerkannt. Mit der Entscheidung übernimmt die Stadt die Pflege und Unterhaltung der gesamten Grabstätte. Oberbürgermeister Claus Kaminsky betonte, Estlers Wirken habe die Kunst und Stadtgeschichte Hanaus nachhaltig geprägt und reiche weit darüber hinaus.

Grundlage der Ehrung und organisatorische Folgen

Die Ernennung erfolgte nach der städtischen Richtlinie zur Anerkennung von Ehrengräbern. Mit dem Ehrengrab-Status verpflichtet sich die Stadt zur dauerhaften Pflege des Ortes, auch wenn die vertraglich festgelegte Nutzungszeit noch nicht abgelaufen ist. Zurzeit läuft das Nutzungsrecht der Grabstätte bis 2029. Da weiterhin Angehörige dort beigesetzt werden, war für die Ausweisung als Ehrengrab eine Sonderregelung erforderlich.

Stadträtin Isabelle Hemsley erklärte, die Stadt wolle mit der Maßnahme das Andenken Estlers bewahren. Sie verwies darauf, dass Estler stellvertretend für eine Künstlergeneration stehe, deren Lebenswege von den politischen Brüchen des 20. Jahrhunderts geprägt worden seien.

Leben, Ausbildung und Lehrtätigkeit

Richard Estler wurde am 28. September 1873 in Dresden geboren und starb am 27. Dezember 1952 in Frankfurt am Main. Seine erste zeichnerische Ausbildung erhielt er an der Gewerbeschule in Dresden. Anschließend studierte er von 1892 bis 1898 an der Kunstgewerbeschule Dresden. 1901 wurde er von Professor Max Wiese an die Königliche Zeichenakademie nach Hanau berufen. 1921 erhielt er den Professorentitel.

Estlers Mitgliedschaft in der Loge Braunfels zur Dreieinigkeit führte in der Zeit des Nationalsozialismus zu Konflikten. Ende 1934 wurde er vorzeitig und mit gekürzten Bezügen in den Ruhestand versetzt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte er für kurze Zeit an die Staatliche Zeichenakademie Hanau zurück.

Künstlerisches Werk und Wirkung

Das Werk Estlers umfasst Zeichnungen, Aquarelle, Holzschnitte und Ölbilder. Er bevorzugte Motive wie Landschaften, Naturdenkmäler und Ansichten historischer Altstädte, insbesondere von Dresden, Frankfurt und Hanau. Diese Städte hatten im Zweiten Weltkrieg schwere Zerstörungen erlitten. Estlers Arbeiten wurden wiederholt in Ausstellungen im Rhein Main Gebiet sowie in München und Berlin gezeigt. Viele seiner Werke befinden sich heute in Privatbesitz.

Zu seinen bekannten Schülerinnen und Schülern zählen unter anderem Louis Wahn, Bernd Oehmichen, Theodor Schäfer, Hans Fehlhaber und Clara Ewald Weinhold. Die Stadt begründet die Ehrung auch mit der Bedeutung Estlers als Lehrer und Zeitzeuge für das kulturelle Leben Hanaus.

Die Grabstätte in Kesselstadt

Die als Ehrengrab ausgezeichnete Grabstätte ist ein zweistelliges Erdwahlgrab. Die Stadt hat die Pflege und Unterhaltung der gesamten Anlagen übernommen. Die Möglichkeit, ein Ehrengrab bereits vor Ablauf der Nutzungsrechte zu erklären, ist in der städtischen Richtlinie vorgesehen und wurde im Fall Estler angewandt, weil weiterhin Beisetzungen stattfinden.

Oberbürgermeister Kaminsky fasste die Entscheidung so zusammen, dass mit der Ernennung das kulturelle Wirken Estlers gewürdigt werde und sein Andenken in Hanau erhalten bleiben solle.

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