
Die Stadt Hanau baut ihr Angebot zum Schutz vor hohen Temperaturen aus und kombiniert kurzfristige Hilfen mit längerfristigen Anpassungen. Digitale Orientierungshilfen, ein wachsendes Netz an Trinkstationen sowie die beiden städtischen Freibäder bilden den Kern der Maßnahmen. Zugleich laufen Planungen für zusätzliche Infrastrukturmaßnahmen und mehr Stadtgrün.
Hitzeportal und Coole Map als zentrale Orientierung
Als erste Anlaufstelle hat die Stadt ein Hitzeportal eingerichtet, das Verhaltenstipps, Informationen in einfacher Sprache und eine Übersicht über Trinkbrunnen und Refill-Stationen bündelt. Teil des Angebots ist die sogenannte Coole Map, eine Stadtkarte mit schattigen und grünen Orten, die in digitaler Form und gedruckt vorliegt. Gedruckte Exemplare sind an mehreren öffentlichen Stellen erhältlich und sollen künftig auch in Hotels ausliegen.
Stadtverwaltungen und städtische Gesellschaften arbeiten seit Ende 2023 abteilungsübergreifend an einer Hitzeaktionsplanung. Ziel ist es, kurzfristig wirksame Maßnahmen mit langfristigen Klimaanpassungen zu verbinden.
Freibäder, Brunnen und klimatisierte Rückzugsorte
Die beiden kommunalen Freibäder spielen in Hanaus Konzept eine wichtige Rolle. Sie bieten laut Stadt Menschen ohne eigene Kühlmöglichkeiten eine Zugangsoption zur Abkühlung und melden während der Sommermonate regelmäßig mehrere tausend Besucherinnen und Besucher pro Tag. Bestehende Maßnahmen sind Sonnensegel, natürliche Beschattung durch Baumbestand und kostenfreies Trinkwasser an den Eingängen.
Darüber hinaus hat die Stadt ein Netz aus öffentlichen Trinkbrunnen und Refill-Stationen ausgebaut. Klimatisierte Aufenthaltsräume wie die Hitzefrei Lounge im Stadthof und das Kulturforum stehen als weitere Abkühlmöglichkeiten zur Verfügung. Naturnahe Orte wie Schlosspark, Schlossgarten, Main- und Kinzigufer sowie städtische Waldflächen ergänzen das Angebot.
Schutz für besonders gefährdete Gruppen
Die Stadt benennt ältere Menschen, Kinder, Menschen mit Vorerkrankungen und wohnungslose Menschen als besonders gefährdet. In den städtischen Kitas gelten nach Angaben der Verwaltung umfassende Hitzepläne mit angepassten Tagesabläufen, Verschattungsmaßnahmen und der Nutzung kühlerer Räume. Bürgermeister Dr. Maximilian Bieri betont die Empfindlichkeit von Kindern bei großer Hitze und verweist auf die fortlaufende Weiterentwicklung der Konzepte.
Das Klinikum Hanau verzeichnete während besonders heißer Tage rund 20 Prozent mehr Fälle von Dehydrierung, vor allem bei älteren Menschen, aber vereinzelt auch bei deutlich jüngeren Erwachsenen. Dort wurden zusätzliche Kühlzonen eingerichtet, technische Kühlsysteme ergänzt und in der Zentralen Notaufnahme eine Kühldecke installiert, um Patientinnen und Patienten besser zu schützen.
Die Stadtpolizei verteilt an besonders heißen Tagen Trinkwasser an Menschen ohne festen Wohnsitz und weist gezielt auf Hilfsangebote hin. Stadträtin Isabelle Hemsley sagte, Hitze treffe nicht alle Menschen gleich und die niedrigschwellige Unterstützung könne im Ernstfall entscheidend sein.
Weitere kurzfristige Maßnahmen und langfristige Anpassung
Geplant sind zusätzliche Trinkbrunnen und Refill-Stationen, unter anderem in städtischen Kindertageseinrichtungen, mehr Schattenplätze sowie die Prüfung von verlängerten Öffnungszeiten für klimatisierte öffentliche Gebäude. Ab Mitte August soll eine vierwöchige Erprobung einer Sprühnebelsäule auf dem Marktplatz stattfinden.
Langfristig setzt die Stadt auf Baumpflanzungen, Entsiegelung von Flächen, die Weiterentwicklung eines Naturwaldkonzepts und Aufwertungen am Kinzigufer, um dauerhafte Kühlräume im Stadtraum zu schaffen. Die Verwaltung weist darauf hin, dass bei außergewöhnlichen Hitzelagen Öffnungszeiten von Märkten, Museen oder Wertstoffhöfen kurzfristig angepasst und Arbeitszeiten wie die Müllabfuhr verschoben werden können, um Beschäftigte zu schützen.
Oberbürgermeister Claus Kaminsky bezeichnete Hitze als eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen des Klimawandels, die in Hanau bereits spürbar sei, und verwies auf den Mix aus kurzfristigen Angeboten und langfristigen Maßnahmen, mit dem die Stadt reagieren wolle.
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